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Ob nun die Entlastung des moralischen Gewissens oder der Wille, Menschen zu helfen – Gründe für soziales Engagement können sehr unterschiedlich sein, wie wir im Philosophieunterricht von Herrn Harms erfuhren. Doch so unterschiedlich die Gründe auch sein mögen, sie helfen Menschen dabei, ihren Lebensstil zu verbessern. Wir wollten es selbst herausfinden und zogen los zur Exkursion.

Am 22.01.2020 hatte sich ein kleiner Teil des Wahlpflichtkurses Philosophie (9. Jahrgang) bei der Berliner Obdachlosenhilfe zusammengefunden, welche jede Woche drei Hilfstouren veranstaltet, bei denen Essen, Kleidung und Hygieneartikel kostenlos verteilt werden. Der Obdachlosenhilfe wurde sogar der Ehrenamtspreis Mitte verliehen. Sie lehnten ihn jedoch ab mit der Begründung, dass sie zwar die generelle Verleihung eines Ehrenamtspreises befürworten, sie aber auf ihren Hilfstouren mit den Konsequenzen der obdachlosenfeindlichen und oft menschenverachtenden Politik des Bezirksamts Mitte konfrontiert werden und ihn somit nicht annehmen wollen, da er ja eben von genau diesen Menschen kommt und sie somit einen Widerspruch wahrnehmen, den sie nicht akzeptieren.

Wir wählten Anfang des Schuljahres Themen für unseren Wahlpflichtunterricht, um ihn mitgestalten zu können. Darunter wählten wir das Thema „Soziales Engagement“ und wurden dann nach der theoretischen Auseinandersetzung selbst sozial aktiv, mit der organisatorischen Hilfe von Herrn Harms. Es wurde so aufgeteilt, dass jeweils Fünfer-Gruppen zum Helfen kommen, damit wir individuell Erfahrungen sammeln können und jeder die Chance bekommt, Fragen zu stellen.

Nach der Schule brachen wir dann Richtung Wedding auf. Nach einigen Minuten der Suche und einem Funken der Verzweiflung, der sich aus der erfolglosen Suche ergab, fanden wir dann anhand des großen Autos der Organisation, welches wir an der Aufschrift sofort erkannten, die Lynarstraße 38 und wurden sofort herzlich empfangen. Am besagten Ort angekommen wurde uns eine freundliche Einführung gegeben und wir konnten alle Fragen rund ums Ehrenamt stellen und bekamen diese von Helfer*innen beantwortet. An Aufgaben ist für jeden etwas dabei - man kann in der Küche helfen, Kleider sortieren, das Auto beladen, aufräumen und Brote schmieren, wobei das alles nur Vorbereitung für die Hilfstour ist, welche über die großen Anlaufpunkte Berlins geht, wie den Alexanderplatz und das Kottbusser Tor. Wir fünf wurden für das Brote schmieren eingeteilt. Die Lebensmittel werden von Supermärkten und auch von der Tafel gespendet und nur ein geringer Teil muss aus der eigenen Tasche eingekauft werden. Von Anfang an herrschte eine lockere Stimmung und wir konnten den anderen Helfer*innen immer Fragen zum Thema Ehrenamt stellen. Viele erzählten, dass sie selbst erst zum ersten oder zweiten Mal gekommen waren und wie viel Spaß es ihnen machen würde, ehrenamtlich zu helfen. Bei der Hilfstour waren wir zwar nicht dabei, jedoch haben wir bei den Vorbereitungen mitgeholfen und waren schon dort überzeugt von dem guten Willen, den jede*r Helfer*in bei der Organisation mitbringt.

Wir können abschließend sagen, dass der Weg nach Wedding für uns aus Steglitz zwar etwas länger ist, man es aber für die netten Helfer*innen mindestens einmal alle zwei Wochen in Kauf nehmen kann. Uns wurde auch nahegelegt, dass man nicht regelmäßig helfen müsse, sondern dass man einfach helfen solle, wenn man Zeit findet anstatt diese für unnötige Dinge wie unser Handy zu vergeuden. Nun also der Appell an euch: Macht mit, denkt nicht lange nach, sondern tut etwas! An alle Achtklässler*innen: Unser persönlicher Tipp für euch ist, Philosophie im nächsten Schuljahr zu wählen, um bei solchen interessanten Projekten dabei sein zu können. Im Namen des Philosophie Wahlpflichtkurses, bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Harms, dass er die Organisation für dieses Projekt übernommen und uns somit einen Einblick in die Praxis unseres Unterrichts ermöglicht hat.

Frida Stottele (9.1), Emilia Friedrich (9.3)