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Politiker und Schüler des Lilienthal-Gymnasiums diskutieren im Sieben-Minuten-Takt brisante Fragen

„Ding“ - ein Signal ertönt und die Gespräche in der Aula werden leiser. „Meine Damen und Herren, die Zeit ist vorbei, bitte rotieren Sie“, ruft Florian Bublys, Lehrer für Politik und Geschichte am Lilienthal-Gymnasium in Lichterfelde, den Teilnehmern der Dialogveranstaltung zu. 30 Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Jahrgangsstufe beenden langsam ihre Gespräche mit den fünf Politikern des Abgeordnetenhauses Berlin.

An den Gruppentischen, die sich nun neu sortieren, geht es um hochaktuelle Themen. Warum Bildung nicht einfach auf Bundesebene geregelt wird, fragen Schüler die Linken-Abgeordnete Franziska Brychcy. „Das ist wirklich schwierig mit Ja oder Nein zu beantworten, weil wir uns einerseits vom Bund mehr Geld für Schulgebäude und Digitalisierung wünschen, aber andererseits die Spezifika des Berliner Schulsystems wie die sechsjährige Grundschule nicht aufgeben wollen“, antwortet Brychcy. „Und was ist ihre persönliche Meinung?“, kontern die drei Schüler, die mit ihr am Tisch sitzen. Auch Cornelia Seibeld (CDU), Hugh Bronson (AfD), June Tomiak (Grüne) und Sebastian Czaja (FDP) beantworten in Sieben-Minuten-Intervallen die selbst erarbeiteten Fragen der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen. Und die haben es in sich: Gehört der Islam zu Deutschland? Soll der Hartz-IV-Regelsatz erhöht werden? Was ist mit Ankerzentren, der Mietpreisbremse und Volksbefragungen?

Jennifer Wendt, Koordinatorin des Pilotprojektes DialogP, ist zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung. „Wir wollen Politikern keine Bühne geben, Monologe zu halten, sondern sie dazu bringen, im direkten Austausch auf Augenhöhe mit den Schülern zu sprechen“, erklärt sie. Das Ziel sei es, zunächst Vorurteile gegenüber Politik und Abgeordneten abzubauen und das politische Interesse sowie die Auseinandersetzung mit Politik zu fördern. Das Projekt verfolge einen handlungsorientierten Ansatz: Am Ende des Unterrichts stehe keine Klassenarbeit, sondern eine Begegnung mit Abgeordneten. Die Jugend erhalte einen Einblick in die Welt der Politik und die Politik einen Einblick in die Welt der Jugend.

Das Projekt DialogP startete 2014 in Rheinland-Pfalz und wird zurzeit an 16 Schulen in Berlin, Hamburg und Brandenburg durchgeführt. Im Schuljahr 2019/2020 sollen es acht Bundesländer werden. Bewerben können sich Schulen über die Internetseite jetzt schon. „Wir achten darauf, dass die Schulen so wenig Arbeit wie möglich haben, und übernehmen die Organisation“, sagt Jennifer Wendt. „Wir stellen die Materialien und laden die Abgeordneten ein. Die Schule und besonders die Schülerinnen und Schüler müssen das Ganze dann nur noch mit Inhalt füllen.“

Drei Teilnehmer des politischen Speeddatings stehen nach der Veranstaltung vor der Schule und sprechen über die Diskussionen. „Mein Hauptproblem war zu wenig Zeit“, sagte Kris Schneider. „Aber ich sehe es als Anreiz, mich weiter mit Politik auseinanderzusetzen und zum Beispiel die Wahlprogramme der Parteien zu lesen“, sagt der 15-Jährige. Maike Partey (17) und Felix Marx (17) aus dem Politikleistungskurs sehen es ein wenig anders. „Mir wurde eher bestätigt, was ich für ein Bild von den Parteien habe“, sagte Maike. Felix fand die Veranstaltung gut: „Es wäre wichtig, dass solche Veranstaltungen auch an anderen Schulen angeboten werden.“

Erik Milas
www.dialog-p.de
Erschienen im Tagesspiegel am 5.6.18, Seite 14