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Toleranz - Duldung des Abgelehnten

Am 24.04.2018 haben wir, der Philosophie-Leistungskurs von Herrn Harms, eine Exkursion nach Rostock gemacht. Dort haben wir den Philosophie-Professor Heiner Hastedt in einem Seminarraum der Universität getroffen.

In Vorbereitung auf unser Gespräch mit ihm haben wir im Unterricht sein Buch „Toleranz“ gelesen und besprochen, welches er selbst als Auftrag für die Reihe „Grundwissen Philosophie“ verfasst hat.  Während der Diskussion durften wir Fragen in Bezug auf sein Werk und Toleranz im Allgemeinen stellen. Dabei wurden vor allem aktuelle politische Themen, wie beispielsweise der Aufstieg von rechtsextremen Parteien oder auch der Umgang mit religiösen Minderheiten in Deutschland besprochen. Uns ist hierbei aufgefallen, dass Toleranz ein sehr differenziertes Thema ist, das auch aus philosophischer Perspektive fast immer situationsabhängig ist. Jedoch spielt die Toleranz in der heutigen Zeit bei vielen Themen eine große Rolle und soll das Zusammenleben in einer Gesellschaft verbessern beziehungsweise überhaupt erst ermöglichen.

Für Professor Hastedt war es wichtig zu verdeutlichen, dass Toleranz auf Ablehnung basiert, denn dies sei der entscheidende Unterschied zu der Akzeptanz. Toleranz müsse einem also schwerfallen, sonst sei es keine. Toleranz unterscheide sich deshalb auch von Gleichgültigkeit, da Ablehnung nicht gleichgültig ist und bestenfalls eine Auseinandersetzung mit dem Tolerierten voraussetzt. Keinesfalls sollte Toleranz aber dazu führen, dass man brutale Verbrechen duldet, es sollte eher der erste Schritt zur friedlichen Koexistenz sein.  Nehmen wir das Beispiel, dass jemand neben dir im Bus laut Musik hört: Wenn es dich stört, dass die Musik zu laut ist und möglicherweise die Ohren anfangen wehzutun, darfst du dich nach Hastedt beschweren. Sollte die Person neben dir aber ganz leise Musik hören, so dass du vielleicht nur ab und zu ein paar Töne aufschnappst, es dich aber trotzdem stört, dass diese bestimmte Musikrichtung gehört wird, dann solltest du tolerant handeln und nicht eingreifen, da hier keine persönliche Verletzung entstanden ist.

Es gibt natürlich auch Kritiker der Toleranz, wie unter anderem Friedrich Nietzsche. Er kritisiert an der Toleranz, dass es das Schwache der Menschen begünstige, da man vor Dingen einknicke, die man eigentlich ablehnt. Genau diesem Kritikpunkt müsse sich die Toleranz nach Hastedts Theorie nicht stellen, da man offen zu seiner Ablehnung steht, dem Tolerierten jedoch keinen Schaden zufügt.

Im Anschluss an das Gespräch haben wir unserer Gesprächsrunde noch erweitert und Fragen zu einem möglichen Philosophiestudium stellen können. Nach dem Treffen mit Herrn Hastedt haben wir uns noch das Stadtzentrum Rostocks angeschaut und somit einen schönen Abschluss für unsere Exkursion gefunden.

Sydney Greiner und Leoni Eberl
LK Philosophie, 2. Semester

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