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Am 21. Juni 2017 besuchten wir, der Philosophie-Grundkurs von Frau Mansouri und der von Herrn Dr. Henning, die Jahrestagung des Deutschen Ethikrates in Berlin. Der Schwerpunkt der ganztägigen Veranstaltung lag auf dem Thema „Autonome Systeme“ und auf der Frage, wie „intelligente“ Maschinen – zum Beispiel selbstfahrende Autos, medizinische Pflegeroboter oder autonome Waffensysteme – uns Menschen verändern.

Zunächst besuchten wir den großen Konferenzsaal, in welchem sich der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin zur Fragestellung „Wer trägt die Verantwortung für autonome Systeme?“ äußerte. Wer genau trägt eigentlich die Verantwortung, wenn etwa ein selbstfahrendes Auto einen schweren Unfall mit vielen Verletzten verursacht: das selbstfahrende Auto, der Fahrzeughalter, der Autohersteller oder die Software-Entwickler? Außerdem erläuterte Nida-Rümelin seinen Standpunkt gegen den Utilitarismus sowie gegen die Personalisierung von Robotern. Vor allem beharrte er eindringlich auf dem Standpunkt, dass nicht die technischen Geräte uns kontrollieren, sondern wir Menschen stets die Kontrolle über die technischen Geräte behalten sollten. Denn selbst vollautomatisierte Roboter seien im Wesentlichen nichts weiter als bloße Instrumente oder Werkzeuge, welche allein unsere Handlungsmöglichkeiten erweitern. Ein autonomes System könne sich keine Ziele setzen, geschweige denn die Absichten für seine Handlung begründen. Nicht den autonomen Maschinen, sondern nur dem Menschen könne Verantwortung zugesprochen werden, so der Philosoph. Aufgrund zahlreicher Umschreibungen und Erläuterungen fiel es uns nicht allzu schwer, dem Vortrag zu folgen.

Bevor die Rednerinnen und Redner eine Diskussion mit dem Publikum begannen, hörten wir uns noch den Kommentar der Juristin Christiane Wendehorst an, welche sich auf die Frage „Was dürfen Maschinen?“ konzentrierte. Vor allem ging sie darauf ein, dass Maschinen keine dem mündigen Bürger vergleichbare Rechtspersönlichkeit besäßen und daher im juristischen Sinne weder etwas dürften noch nicht dürften. Grundlegend teilte sie damit die Meinung von Nida-Rümelin im Rahmen ihres eher ironisch gestalteten Kommentars, welcher das ein oder andere Schmunzeln im Publikum hervorrief. Die im Vortrag zitierte Äußerung des Bundesverkehrsministers Dobrindt, „Wir stellen Fahrer und Computer rechtlich einander gleich“, blieb uns im Gedächtnis, da die Juristin Wendehorst hierzu zahlreiche Gegenargumente lieferte. Positiv fiel auf, dass aufkommende Fragen stetig im Publikum diskutiert wurden, da die Zuhörerinnen und Zuhörer durch die Vortragenden zur Anteilnahme an der Diskussion ermutigt wurden.

Nach diesem Teil des Vormittags gingen wir in die Mittagspause, wo uns viele Leckereien erwarteten. Es gab eine sehr große Auswahl von vegan bis vegetarisch und natürlich auch etwas für Fleischliebhaber.

Anschließend besuchten wir das Seminar zum Thema „Autonome Waffensysteme“. Gesprächspartner dieser Diskussion waren ein Generalleutnant, ein Philosoph und ein Moderator des Ethikrates. Während der Generalleutnant den utilitaristischen Standpunkt vertrat, dass die Verluste der eigenen Soldaten durch den Einsatz eigener autonomer Waffensysteme verringert würden und dass aufgrund der Präzision jener Waffensysteme zugleich die Risiken von Kollateralschäden minimiert werden, war der Philosoph der Meinung, dass das Töten mit Hilfe von autonomen Waffensystemen den Menschen vollkommen entwürdigen würde. Er würde auf eine abstrakte Größe in einem Algorithmus reduziert. Besonders wichtig für den Generalleutnant war, dass klar sei, dass autonome Systeme nur als Instrumente genutzt werden dürften, der Mensch aber die Kontrolle über die Technik behalten müsse. Im Anschluss hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen an die Experten zu stellen. Auch ein Schüler unseres Kurses fasste den Mut, seine eigene Meinung zu äußern und den Autoritätspersonen vorn kritische Fragen zu stellen.

Im Großen und Ganzen hat diese Veranstaltung uns Schülerinnen und Schülern geholfen, verschiedene Sichtweisen auf die Problematik um autonome Maschinen zu gewinnen. Überaus interessant waren für uns unterschiedliche Beispiele aus dem Alltag, welche die Expertinnen und Experten nutzten, um die Problematiken zu veranschaulichen. Besonders die Schilderung von Szenarien aus dem Straßenverkehr stellten die Probleme nachvollziehbar dar.

Interessant für uns war, dass wir viele Unterrichtsinhalte in den Argumentationen der Expertinnen und Experten wiedererkennen konnten. Beispielsweise wurde der Philosoph Immanuel Kant im Zusammenhang mit dem Autonomiebegriff des Öfteren zitiert. Auch bemerkten wir Darstellungen von Nützlichkeitserwägungen (vgl. Utilitarismus) in einigen der Kommentare.

Abschließend möchten wir festhalten, dass wir dankbar dafür sind, an dieser Tagung teilgenommen zu haben, da wir dadurch zahlreiche Anregungen, auch für die Entwicklung oder Festigung unserer eigenen Meinung, mitgenommen haben.

Der Grundkurs Philosophie Q2 von Herrn Dr. Henning

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